Aktuelle Leitlinien nehmen Triclosan beschichtetes Nahtmaterial auf

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Infektionsprophylaxe – Auswahl des Nahtmaterials kann entscheidend sein

  • Die KRINKO[A] stellt in ihren aktuellen Empfehlungen erstmalig fest, dass antiseptisch beschichtetes Nahtmaterial unter bestimmten Bedingungen (sehr hohe Ausgangs-SSI[B]-Raten, Operationen der Kontaminationsklassen III und IV, multimorbide Patienten) einen die Infektionsgefahr reduzierenden Effekt hat (Kat II).[1]
  • Die fachübergreifende Expertenrunde* kam zu dem Schluss, dass diese Feststellung einer Empfehlung gleichzusetzen sei.

Norderstedt, 26. Juni 2018 – SSI sind mit einem Anteil von 24,3 % die häufigsten nosokomialen Infektionen in deutschen Akutkrankenhäusern.[2] Jährlich erkranken rund 220.000 Patienten an einer postoperativen Wundinfektion.[3] Im Krankenhaus erworbene Infektionen belasten das deutsche Gesundheitssystem mit ca. drei Milliarden Euro Zusatzkosten.[4] Die relative Zunahme der SSI sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass in Krankenhäusern zunehmend ältere Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr versorgt würden und indikationsabhängig stärker belastende Eingriffe möglich seien, erklärte Prof. Dr. Axel Kramer, Leiter des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, auf dem DGCH in Berlin im Rahmen einer interdisziplinären Podiumsdiskussion. „66 % der SSI sind mit der Inzision assoziiert und das Nahtmaterial erhöht das SSI-Risiko“, so Prof. Kramer weiter. Eine infizierte Naht induziert Entzündungen mit Fortleitung in die Tiefe und kann so unter Umständen schwere lebensbedrohliche Infektionen zur Folge haben.

Nahtmaterial – das unterschätzte Implantat

„Man kann es so zusammenfassen: Nahtmaterial ist ein unterschätztes Implantat“, resümierte Prof. Kramer. Eine Möglichkeit, um das Risiko für postoperative Wundinfektionen zu senken, stellt die Verwendung von Triclosan beschichtetem Nahtmaterial dar. Es unterbindet das bakterielle Attachment an den Faden mit nachfolgender Kolonisation und Fortleitung der Infektion entlang des Fadens in die Wundtiefe.[5]Aus diesem Grund haben bereits viele nationale und internationale Leitlinien das antiseptische Nahtmaterial als Baustein im Kampf gegen SSI in ihre Empfehlungen aufgenommen wie beispielsweise die NICE-Guidelines (2013), die WHO (2016), das American College of Surgeons and Surgical (Infection Society, 2016 Update), die CDC 2017, die Wisconsin Division of Public Health sowie aktuell die deutschen KRINKO Empfehlungen (April 2018).

Dr. Christian Jäkel, Fachanwalt für Medizinrecht im Bereich Pharma- und Medizinprodukterecht, Lübben, beleuchtete in diesem Zusammenhang die Frage, ob die aktuelle KRINKO Feststellung zu antiseptischem Nahtmaterial eine Empfehlung im Sinne des Infektionsschutzgesetzes sei. „Aus juristischer Sicht ist diese Feststellung zum Nahtmaterial als Empfehlung für diese Operationsklassen anzusehen, denn sie ist dem Kapitel 4 Empfehlungen zugeordnet und nicht den Kapiteln 1-3 Wissenschaftliche Basis. Außerdem wurde eine Evidenzklasse zugewiesen“, lautete die Einschätzung von Dr. Jäkel. Prinzipiell könne die Umsetzung dieser Feststellung – also die Verwendung des antiseptisch beschichteten Nahtmaterials gemäß KRINKO – bei den genannten Operationen dazu beitragen, postoperative Wundinfektionen zu reduzieren.

Risikoeinschätzung spricht für generellen Einsatz von Triclosan beschichtetem Nahtmaterial

Bislang (seit Markteinführung von antiseptisch beschichteten Nahtmaterial von Ethicon 2003) gab es keinerlei Hinweise auf Unverträglichkeiten des Nahtmaterials; ebenso gibt es keinen Anhaltspunkt, dass durch das Nahtmaterial eine Resistenzbildung gegen Triclosan induziert worden sei.[6],[7] Was aus Sicht des klinischen Risikomanagements und der Patientensicherheit ein wesentlicher Punkt sei, erklärte Martin Meilwes von der GRB Gesellschaft für Risiko-Beratung mbH, Detmold. „Bei einem Einsatz von Triclosan beschichtetem Nahtmaterial werden keine neuen Risiken in Kauf genommen. Im Sinne der Patientensicherheit ist ein Einsatz daher prinzipiell zu befürworten, zumal die Maßnahme zum Schutz des Patienten ergriffen wird“, führte Meilwes weiter aus.

Robuste Datenlage für Triclosan beschichtetes Nahtmaterial

Eine aktuelle Metaanalyse von De Jonge et al., die die Daten von über 6.400 Patienten berücksichtigt, bestätigte die robuste Datenlage von Triclosan beschichtetem Nahtmaterial. So konnte eine signifikante Reduktion der SSI-Raten festgestellt werden.[8] Weiter kommt De Jonge zu dem Schluss, dass es mit der vorgelegten moderaten Evidenzqualität, die auf einer großen Anzahl von Studien basiert, nicht gerechtfertigt wäre, weitere Tausende von Patienten einer Intervention auszusetzen, die so streng getestet wurde.

Nach Meinung von Prof. Kramer gibt es aufgrund der aktuellen Studienlage zum Triclosan-beschichteten Nahtmaterial Anwendungsbereiche mit sehr hoher Evidenz, die mit der Effektstärke Ib sogar höher bewertet werden könnten als es in den aktuellen KRINKO Leitlinien (Kat. II) der Fall sei, wie z.B. in der Abdominalchirurgie, Laparotomie und der Appendektomie (bei Verschluss tief abdominal + Faszie mit resorbierbarem Material). „In diesen Fällen ist belegt, dass der antiseptisch beschichtete Faden bis zu einem Drittel der postoperativen Wundinfektionen verhindern kann”, erklärte Prof. Kramer.

Quelle: Podiumsdiskussion „Die PLUS Kontroverse: Die Missachtung von Leitlinien und ihre Konsequenzen“ auf dem DGCH Kongress in Berlin am 20. April 2018.

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Quellen

 

* Prof. Dr. Kramer, Prof. Dr. Jäkel, Prof. Dr. Brüwer, Martin Meilwes

[A] Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut

[B] Surgical Site Infection = postoperative Wundinfektion

 

[2] Behnke M, Hansen S, Leistner R et al. Nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Anwendung. Zweite nationale Prävalenzstudie in Deutschland. Dtsch Arztebl 2013; 110: 627-633

[3] BVMed – Bundesverband Medizintechnologie e. V. http://www.krankenhausinfektionen.info/ki-de/kikrankenhaus-infektionen. Accessed 22.06.2017

[4] BVMed – Bundesverband Medizintechnologie e. V. http://www.krankenhausinfektionen.info/ki-de/kikrankenhaus-infektionen. Accessed 22.06.2017

[5] Kathjn S, Nistico L, Hall-Stoodley L, Post JC, Ehrlich GC, Stoodley P. Chronic surgical site infection due to suture-associated polymicrobial biofilm. Surg Infect. 2009; 10: 457-461

[6] European Network for Health Technology Assessment. (2017). Antibacterial-coated Sutures Versus Non-Antibacterial-Coated Sutures for the Prevention of Abdominal, Superficial and Deep Incisional, Surgical Site Infection (SSI). Retrieved from http://www.eunethta.eu/news/wp4-ac-b-ca2-antibacterial-coated-sutures-versus-non-antibacterial-coated-sutures-prevention-ab . Accessed on 22.06.2017.

[7] Leaper D et al. Healthcare associated infection: novel strategies and antimicrobial implants to prevent surgical site infection. Ann R Coll Surg Engl 2010; 92:453-458

[8] de Jonge SW, Atema JJ, Solomkin JS, Boermeester MA. (2017). Meta-analysis and trial sequential analysis of triclosan-coated sutures for the preventions of surgical-site infection. Br J Surg. 2017;104(2): e118-e133. doi: 10.1002/bjs.10445. Epub 2017 Jan 17